Sind Bitcoins wirklich “Geld”?

Erfüllen Bitcoins die Anforderungen an unser Verständnis von “Geld”?

Grundsätzlich ist Geld ein Wertäquivalent und nimmt somit zwei Funktionen ein:
Tauschmedium und Vermögensspeicher.

 1) Geld als Tauschmedium

Durch Geld bleibt uns das ständige Umrechnen zwischen Wirtschaftsgütern erspart. Stellen wir uns beispielhaft zwei Akteure vor: Einer möchte Fisch verkaufen, der andere bietet Weizen an. Nun handeln beide Parteien das Tauschverhältnis aus, z.B. 1kg Fisch gegen 8kg Weizen. Ist dieses Tauschverhältnis einmal etabliert, so wird der Tauschhandel beim nächsten Mal schneller abgewickelt.
Möchte nun jedoch ein Eierverkäufer mit in den Handel einsteigen, so hätten die Akteure folgende Tauschraten auszuhandeln:
- Eier vs. Fisch
- Eier vs. Weizen
- Fisch vs. Weizen
Mit jedem weiteren Wirtschaftsgut wird der Handel komplexer. Es wären also für unendlich viele Kombinationen Tauschverhältnisse auszuhandeln.
Die Lösung? Geld! Wir vertrauen also darauf, mit einem empfangenen 10 EUR-Schein beim Bäcker 20 Brötchen kaufen zu können. Und der Bäcker wiederum führt auf die 10 EUR Steuern ab, beschafft Rohstoffe, deckt weitere Kosten und dann bleibt hoffentlich noch ein Gewinn für ihn übrig.

Inwiefern erfüllen Bitcoins die Anforderungen an ein Tauschmedium?

Erkennbarkeit: Damit nach einer Transaktion keine bösen Überraschungen folgen, sollte direkt ersichtlich sein, welchen Wert der Geldschein trägt. Gegenbeispiel wäre der Autokauf, hier ist für den Laien nicht sofort ersichtlich, ob der Wagen zu 100% in Ordnung ist.
Bitcoin Transaktionen sind jederzeit im öffentlichen Transaktionsprotokoll (Blockchain) einsehbar.  Bitcoins sind also eindeutig erkennbar (im Gegensatz zu Bargeld, insb. Geldscheinen) und erfüllen diese Anforderung.

Teilbarkeit: Güter und Dienstleistungen verschiedener Größenordnungen wollen bezahlt werden. Vom Lebensmittel- bis zum Immobilienkauf. Hier tritt ein Nachteil von Gold ans Licht: Wie bezahle ich mit einer Feinunze Gold beim Bäcker meinen Zehn-Euro-Einkauf? Rasple ich mit der Goldfeile etwas ab? ;)
Bitcoins lassen sich auf bis zu acht Dezimalstellen runterbrechen: 1 BTC = 1.000 mBTC (Milli-Bitcoin) = 1.000.000 µBTC (Mikro-Bitcoin) = 100.000.000 sBTC (“Satoshis”, kleinste Einheit). 

Transportierbarkeit: Geld kann mitgeführt werden bzw. ist von unterwegs abrufbar (EC-Karte). Hier liegt eine der größten Stärken der Bitcoins, denn sie sind noch nicht einmal zu transportieren! Mithilfe einer Internetverbindung sowie dem privaten Schlüssel zum eigenen Geldbeutel liegen die Bitcoins im Zugriff, unabhängig von Landesgrenzen. Ob auf der Couch beim Onlineshoppen, im Pariser Straßencafé oder am Strand auf Bali.

Transferierbarkeit: Das Geld kann den Besitzer wechseln. Bitcoins wechseln spielend leicht und gebührenfrei von einer Adresse auf eine Andere. Das Netzwerk akzeptiert die Transaktion und der Empfänger muss keine Rückbuchung befürchten. Für Händler ist dies besonders attraktiv, denn Kreditkartenbetrug ist somit unmöglich.

Fälschungssicherheit: Die Historie der sich im Umlauf befindlichen Bitcoins ist stets über das öffentliche Transaktionsprotokoll nachvollziehbar. Eine Fälschung von Bitcoins entspräche also einem mehrfachen Ausgeben der gleichen Bitcoins. Durch die Prüfung und Bestätigung aller Transaktionen durch die Netzwerkteilnehmer werden Mehrfachausgaben unterbunden. Somit sind Bitcoins (im Gegensatz zu Papiergeld oder auch Diamanten) fälschungssicher.

Akzeptanz: Versuche mit Bitcoins ein Abendessen zu bezahlen, das ist wird keine leichte Angelegenheit. In den vergangenen Wochen scheint die Anzahl an Akzeptanzstellen exponentiell zuzunehmen. 

2) Bitcoins als Vermögensspeicher

Inwiefern erfüllen Bitcoins die Anforderungen an einen Vermögensspeicher?

Stabilität des Angebots: Die Kantenlänge eines Würfels, der aus allem weltweit gehobenen Gold besteht, liegt bekanntlich bei 20 Metern. Bitcoins sind durch den zugrunde liegenden Algorithmus auf 21 Mio. Stück limitiert, mehr wird es nicht geben und somit ist das Angebot stabil.

Beständigkeit: Gold besitzt bestimmte chemische Eigenschaften, die es als Investment so attraktiv machen: Es ist reaktionsträge, korrosionsbeständig und glänzt auch in 2.000 Jahren noch wie heute. Man kann es einschmelzen, in eine Form gießen oder über Legierungen mit anderen Metallen verbinden. Analog besitzt der Bitcoin mathematische Eigenschaften, die ihn als Investment attraktiv machen. Im gesamten Netzwerk ist der aktuelle Aufenthaltsort eines jeden Bitcoins redundant bekannt, Bitcoins verfallen nicht (es sei denn, dem gesamten Internet wird der Stecker gezogen).

Sicherheit der Aufbewahrung: Bitcoins lassen sich sicher aufbewahren: In einem Gedanken-Geldbeutel (“Brain-Wallet”) im Kopf, in einem Offline-Geldbeutel auf Papier im Safe, oder auf einem im Hintergarten vergrabenen USB-Stick. Somit liegen auch die Kosten der Aufbewahrung bei 0. Ferner lassen sich Bitcoins als virtuelles Gut nicht offiziell beschlagnahmen. Es ist noch nicht einmal nachweisbar, wer im Besitz des zugehörigen privaten Schlüssels ist.

Wertstabilität: Die Mindestanforderung an einen Vermögensspeicher ist zumindest die Erhaltung der Kaufkraft. Derzeit sind Bitcoins nicht sehr wertstabil und unterliegen einer hohen Volatilität, was v.a. die Planung und Kalkulation für Bitcoin-akzeptierenden Händler erschwert. Dies wird auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Inflations-Resistenz: In den nächsten Dekaden wird sich die Menge an erzeugten Bitcoins 21 Mio. Stück nähern und nicht weiter vergrößern. Dies steht im krassen Gegensatz zu Papiergeld: Die US-Notenbank druckte im Fiskaljahr 2012 pro Tag Dollar-Noten im Wert von 1.5 Mrd. USD. Dies entspricht im April 2013 in etwa der gesamten Marktkapitalisierung an Bitcoins. Im Klartext: Die US-Notenbank druckt die gesamte Marktkapitalisierung des Bitcoins an einem Tag!

Fazit

Bitcoins sind komplementär zu Bargeld und zu Gold. Sie werden weder Bargeld noch Gold ersetzen. Bitcoins sind ein willkommener Wettbewerber zu staatlich gesteuertem “Papiergeld” und in diesem Sinne “Geld”. 
Bitcoins werden Ihre eigene Nische besetzen, in der sie ihre Vorteile voll ausspielen und dabei Gold und Bargeld sinnvoll ergänzen.

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Veröffentlicht unter Allgemein
Ein Kommentar auf “Sind Bitcoins wirklich “Geld”?
  1. Streng genommen sind Bitcoins Geld, aber keine Währung, da das Wort “Währung” eigentlich das vom Staat herausgegebene Geld bezeichnet. Da aber das englische Wort “cryptocurrency” zu deutsch mit “Kryptowährung” übersetzt wurde, wird Bitcoin oft auch als Währung bezeichnet.

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Seitdem ich 2010 das erste Mal von Bitcoins hörte, ließ mich das Konzept nicht mehr los.
Hier blogge ich über die digitale Währung Bitcoin als "Bahnbrecher", aktuelle Entwicklungen in der Bitcoin-Community, interessante Geschäftsideen und Anwendungsfälle, sowie über technische Hintergründe. Viel Spaß beim Schmökern! :)
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